King Frederik V
Friedrich V. , König von Dänemark
1746-1766


Geschichte


Für manche, die sich für die Geschichte der Wolgadeutschen interessieren, mag es überraschend kommen, dass tausende Deutsche erst nach Dänemark gingen, bevor sie weiter nach Russland zogen. Im 18. Jahrhundert beschloss die dänische Regierung, die Wirtschaft im Land zu verbessern. Der Plan beinhaltete, die verarbeitende Industrie und die Agrarwirtschaft in den unbewohnten, kahlen Ländern Jütlands voranzutreiben. Ende 1758 leitete Dänemarks König Friedrich V. das Kolonisationsprogramm in Jütland ein, welches jedem Siedler Land und Unterhalt bis zur ersten Ernte und der Fertigstellung der Häuser versprach.

Das Anheuern von erfahrenen, hart-arbeitenden deutschen Bauern begann in der Region südlich von Darmstadt ringsum Heidelberg im April 1759. Im August 1759 trafen die ersten deutschen Siedler in Jütland ein. 1760 wurde das Kolonisationsprogramm auf das Herzogtum Schleswig ausgeweitet. In den Jahren 1759-1762 kamen insgesamt 1.200 deutsche Haushalte nach Dänemark, was 4.797 Kolonisten entsprach. Etwa 65% aller Haushalte kamen aus der Region Baden-Durlach, Hessen-Darmstadt, Württemberg und Kurpfalz. Die anderen waren meist aus den umgebenden Regionen.

Nach der Ankunft in Dänemark wurden die Kolonisten registriert und mussten einen Treueeid schwören. Die Regierung bildete Kolonien und baute Häuser auf den spezifischen Grundstücken. Jedoch dauerte es nicht sehr lange, bis die Kolonisten bemerkten, dass die Heiden und Moore Jütlands und Schleswig nicht ohne Grund unbewohnt waren. Es wurde die dänischen Kolonienadministration auch deutlich, dass
viele der Kolonisten wenig von der Agrarwirtschaft verstanden.

Die Unzufriedenheit unter den deutschen Kolonisten wurde immer größer. Am 22. Juli 1763 bot Zarin Katharina II. den deutschen Kolonisten durch ihr Manifest einen Weg aus Dänemark nach Russland. Das Dokument lud Ausländer ein, sich in Russland anzusiedeln, und versprach eine Vielzahl von Rechten und Vorteilen. Innerhalb von sechs Monaten wurde das Manifest geheim zu den Kolonien in Dänemark gebracht. 1764 stieg die Zahl der Versuche, das Land zu verlassen und nach Russland zu gehen. Obwohl die Beamten streng reagierten, waren bis Ende 1766 etwa 75% der deutschen Kolonisten durch Fahnenflucht oder sogar legale Emigration wegegangen.

Die meisten waren erst nach Lübeck gegangen, bevor sie nach Russland gingen. Dort sorgten Mitarbeiter der russischen Regierung für sie und brachten sie schließlich an Bord von Schiffen Richtung Kronstadt. Bei ihrer Ankunft wurden die Kolonisten vorübergehend nach Oranienbaum geschickt, wo sie letztendlich das Ziel ihrer Reise erfuhren. Etwa die Hälfte aller deutschen Kolonistenfamilien, die nach Dänemark gingen, landete letzten Endes in Russland. Drei von vier dieser Kolonisten wurden zu den deutschen Wolgakolonien gebracht, während der Rest sich in anderen deutschen Kolonien in Russland ansiedelte.